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Auf dieser Seite haben wir einiges historisches Material zusammengestellt, das nicht direkt mit
unserem Freibad in Zusammenhang steht, aber trotzdem eine Veröffentlichung wert ist, zumal es auch
einen Einblick in das Umfeld unserer "Batze" in der Vergangenheit gibt.
Badevergnügen in Lage.
Vor 75 Jahren wurde in Lage das Freibad Werreanger eröffnet.

Ein Tag im Freibad Lage um 1940
Auszug aus dem 3. Verwaltungsbericht der Stadt Lage 1958-1962



Flussbadeanstalten
Wenn die Lagenser im Sommer das Bedürfnis hatten, sich bei einem Bad im kühlen Nass zu erfrischen,
bot sich hier bis 1931 für das Badevergnügen vor allem die Werre an. Das Baden dort war aber nicht
ungefährlich. Es gab keine Aufsichten und keine Abgrenzungen, in der Regel auch keine genaue Kenntnis
über die Wassertiefe, die Bodenbeschaffenheit und die Strömungsverhältnisse. Hinzu kamen noch
Beschwerden der Anwohner. So schrieb z. B. im Juni 1888 Gendarm Gering an den Magistrat in Lage, dass
an der Werre "über Kerkhoff's Bleiche" allabendlich junge Leute badeten und dabei Gras sowie
Gemüseanpflanzungen zerträten und "keine Frauensleute wegen Schamgefühls" in den Gärten oder auf der
Bleiche arbeiten könnten, wenn 30 - 40 "nackte Gestalten" sich im Wasser aufhielten.
Von einem generellen Badeverbot in der Werre sah man ab, da sich die Badenden dann auf mehrere Stellen
verteilten und sich damit die Gefahr des Ertrinkens nur erhöhte. Auch der Magistrat erkannte den "Übelstand",
dass es in der Stadt keinen "geschützten Platz zum Baden" gab, und beantragte, in der Stadtverordnetenversammlung
über die Einrichtung einer öffentlichen Badeanstalt zu beschließen. Es wurde zwar Geld bewilligt, doch
von einer Umsetzung des Projekts ist nichts bekannt.
1889 schloss die Stadt Lage mit dem Pächter der herrschaftlichen Mühle Altrogge einen Vertrag, nach dem
seine im sogenannten Mühlengraben eingerichtete Badeanstalt für 20 M. Pacht pro Badesaison an vier Tagen
in der Woche in den Abendstunden von 19 bis 22 Uhr für die Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden
sollte. Für 30 Personen war dort Platz zum Ausziehen und Baden. Der Einblick in die Badeanstalt wurde
durch Bretterverschlag und sonstige "geeignete Vorkehrungen", zu deren Anbringung Altrogge bereit war,
verhindert.
Diese öffentliche Bademöglichkeit bestand bis 1894. In diesem Jahr richtete die Stadt dort, wo heute die
Eisenbahnbrücke Richtung Bielefeld die Werre überquert, eine städtische Badeanstalt ein, in der zwischen
14 und 21 Uhr unter Aufsicht gebadet werden konnte. Neben dieser wurden aber weiterhin unterschiedliche
Stellen der Werre zum Baden genutzt, auch noch als 1903 die alte städtische Badeanstalt zugunsten einer
neuen auf der Armenwiese aufgegeben wurde.
Bau einer modernen Badeanstalt
Die Verwaltungsberichte der 1920er Jahre berichten immer wieder über den je nach Wetterlage regen Besuch de
r Flussbadeanstalt. Allerdings erkannte die Verwaltung, dass diese Einrichtung den Bedürfnissen der Schwimmer
nicht mehr genügte. Die Wasserqualität war gut, doch die durchschnittliche Wassertiefe von 1,40 m war für
Kopfsprünge nicht geeignet. Eine Ausbaggerung hätte keine Vorteile gebracht, da infolge des schnellen Fließens
nach kurzer Zeit eine neue Versandung eingetreten wäre. Außerdem war der Sandgrund derartig mit Glas- und
sonstigen Scherben durchsetzt, dass Fußverletzungen fast täglich eintraten. Hinzu kamen Verunreinigungen
Schrott, der in der Werre entsorgt worden war. Also strebte man ein vom Flusslauf unabhängiges Badebassin
an. Für eine fachgerechte und kostengünstige Planung nahm Stadtbaumeister Graf ab 1924 zu unterschiedlichen
Organisationen und Behörden Kontakt auf. Unter Ihnen die Abteilung Bäderbau des DLRG in Dresden und die
Bäderbauberatungsstelle des Deutschen Schwimmverbandes. Besichtigungen vor Ort und in bereits fertig
gestellten Bädern wurden unternommen. Planungen und Berechnungen durchgeführt. Für die Organisation des
Projektes sollte ein Badbauverein gegründet werden. Doch das Ziel, den Bau noch 1925 fertig zu stellen,
konnte nicht erreicht werden. Aufgrund der schlechten finanziellen Situation der Stadt wurde das Projekt
zurückgestellt.
1926 wurden die Anstrengungen in Richtung neuer Badeanstalt intensiviert, da die alte an der Armenwiese "in
keiner Weise mehr den Anforderungen" entsprach und "das Baden an anderer Stelle der Werre ... daher im vergangenen
Jahr besonders groß" war. An einem warmen Tag zählte man auf der Strecke vom Umfluter bis zum Sägewerk 400 Badende.
Das Bauamt unternahm daher zahlreiche Besichtigungen und stieg in die Planung ein. Zu diesem Zeitpunkt schätzte
es die Kosten auf 35.000 RM, wobei man mit den Einnahmen sogar Überschüsse zu erwirtschaften hoffte. Doch 1928
musste Graf enttäuscht erkennen, dass die zahlreichen in den vergangenen Jahren eingegangenen Anstöße und
Anregungen alle im Sande verlaufen waren und das Projekt nicht die Unterstützung in der Öffentlichkeit erfuhr,
die nötig gewesen wäre.
Allerdings ließ sich Graf dadurch nicht wirklich entmutigen. Noch 1929 stellte die Stadt beim Landesarbeitsamt
einen Antrag, im Rahmen von Notstandsarbeiten langfristige Arbeitslose für die einfachen Arbeiten beim Bau des
Beckens beschäftigen zu können. Man erhoffte sich einen Zuschuss "von der wertschaffenden Arbeitslosenfürsorge".
Die erste Planung auf dem Werreanger sah ein massiv gebautes Becken vor, das mit Wasser der Werre, die an dieser
Stelle "fast reines klares Wasser" führte, gefüllt werden sollte. Die Fläche des Schwimmers hätte 50 m x 15 m bei
einer Wassertiefe von 1,80 bis 2 m und die des Nichtschwimmers von 50m x 7m bei einer Tiefe von 0,3 bis 1,30 m
betragen. Hinzu sollten Umkleidekabinen, ein Badewärterraum mit Nebenraum sowie ein Pumpenhaus gebaut werden. Um
das Becken waren "weite Sandflächen als Licht- und Luftbad" geplant. Langfristig sollte das Bad im Winter als
Eislauffläche dienen. Die Baukosten wurden auf 38.500 RM beziffert. Graf betonte auch den Nutzen für die
"heimische Wirtschaft", der das bereits bereitgestellte Geld durch den Bau und die folgenden infrastrukturellen
Verbesserungen "direkt zugeführt" würde.
Zum Schluss betont Graf noch, dass Lage infolge ihrer günstigen Verkehrslage schon heute "einen gewissen
Mittelpunkt im turnerischen und sportlichen Leben des Landes bildet";, dem eine "sportgerechte Badeanlage" bisher
fehlte. Letztere würde die Attraktivität für den Fremdenverkehr noch erhöhen. Der Antrag wurde bewilligt, kam
jedoch nicht zum Tragen, da Anfang 1930 klar war, dass die inzwischen erforderlichen 55.000 - 60.000 RM nicht
aufgebracht werden konnten. Gemeinsam mit dem Badbauverein beschloss die Stadtverwaltung eine kostengünstigere
Lösung. Ein befestigter "Erdteich" mit einer Fläche von 50 m x 18 m bei einer Tiefe von 1,80 - 3,20 m für Schwimmer
und 12 m x 50 m bei einer Tiefe von 0,40 bis 1,20 m für Nichtschwimmer sollte den sportlichen Belangen entsprechen
und im Winter als Eislaufbahn genutzt werden. Beton- und Ziegelsteinbefestigungen sowie die Anlage von Spundwänden
gaben dem Bauwerk einen durchaus "der massiven Bauweise gleichkommenden" Charakter. Die Sohle der Schwimmerabteilung
war mit Kies befestigt. Der Nichtschwimmerbereich bestand aus Ziegelpflaster in Sandbettung, das mit Zement vergossen
und abgezogen wurde. Die Wasserentnahme erfolgte nach zahlreichen Untersuchungen zunächst aus der Werre. Der Bau von
Nebenanlagen und ein weiterer Ausbau sollte zunächst nicht erfolgen, aber bei der Konstruktion berücksichtigt werden.
Das durch einen ca. 10-minütigen Fußweg von der Stadt aus zu erreichende Gelände umfasste 10.000 qm. Hier wurden
Buschanpflanzungen zur Verdeckung der Einsicht, eine Rasenfläche von 5000 qm und ein 10 m breiter Sandstreifen
rund um das Becken angelegt, auf dem Bänke und Querriegel zum Aufhängen der Badesachen angebracht wurden. Die
Umgebung war durch Böschungen von der Strandfläche getrennt und gab der Anlage eine gewisse Übersichtlichkeit.
Hinzu kamen ein Bademeisterraum, ein Verkaufsraum von 3 x 3 m, ein Garderobenraum von 3 x 6 m, ein Sammelumkleideraum
von 3 x 6 m sowie Zellen mit verschließbarem Vorhang, 12 für Damen und 22 für Herren. Für weitere 17 Zellen wurden
zunächst Rückwände mit Bänken zum Auskleiden im Freien angeschafft, die später vervollständigt werden sollten.
"Ein kleines Aborthäuschen wurde in möglichster Nähe des Badebeckens angeordnet, um die Badenden zur Benutzung anzureizen."
Badehaus und Umkleidezellen wurden "streifig in hell- und dunkelgrauen Farben gestrichen" und die Fensterrahmen in
weiß abgesetzt. Für die Vorreinigung befanden sich an den Überlaufstellen kleine Becken von 1 x 1,4 m. An einem
der Becken waren Seifenwaschungen möglich. Die Sprungturmanlage, ein 3-Meter-Turm und ein 1-Meter-Brett, baute
man in "eleganter weißer Holzkonstruktion" selbst.

Luftaufnahme der Anlage um 1935
Aber auch bei der kleineren Lösung war die Finanzierung nicht einfach. Neben Haussammlungen wurden Behörden,
Krankenkassen, soziale Organisationen und Lagenser Vereine um Zuschüsse bzw. verbilligte Kredite gebeten. Die
Reaktionen waren unterschiedlich. Einzelne Vereine gaben Spenden, andere veranstalteten Konzerte zugunsten
des Bades, manche erteilten der Bitte, meist aufgrund eigener finanzieller Engpässe, eine Absage. Im August
1930 stand nun endlich die Finanzierung: Der Baufonds der Stadt inklusive einer Spende von 1000 RM des
Biochemischen Vereins beinhaltete 11.642 RM. Hinzu kamen ein Zuschuss der Regierung von 1500 RM, ein Darlehn
der Krankenkassen von 10.000 RM, 500 RM aus Spenden und ein verbilligtes Darlehn der Regierung von 5000 RM.
So wurden 30.000 RM zusammengetragen. Die veranschlagten Einnahmen aus Eintrittskarten, Warenverkauf, Eislaufkarten,
Schwimmkursen und Festen von 3200 RM sollten die geschätzten jährlichen Betriebskosten von 2900 RM übersteigen.
Die tatsächlichen Baukosten beliefen sich auf 33.000 RM.
Die Eröffnung erfolgte am 31. Mai 1931 mit einer kleinen Feier unter Beteiligung Lagenser Vereine, einiger
Vertreter des Stadtrats und der Stadtverordneten, der Lippischen Landesregierung, der Orts- und Handwerkerkrankenkassen
sowie des Architekten D. A. Heidrich von der Bäderbauberatungsstelle, der einen wesentlichen Anteil bei der
Planung hatte. Aber auch viele Zuschauer waren gekommen. So berichtete die Lippische Volkszeitung: "Fürwahr
so viele waren bisher noch nie auf dem Werreanger zusammengekommen. Über die Ehrentruper Brücke und aus der
Pappelallee kamen sie, jung und alt, um von einem möglichst guten Platz aus das Schauspiel der Einweihung
mit zu erleben." Bürgermeister Gierlichs betonte in seiner Rede, dass es der Stadt "in Zeiten schwersten
wirtschaftlichen Niedergangs" gelungen war, eine Sommerbadeanstalt zu errichten, die dem "immer stärker
hervortretenden Bedürfnis, die Körperpflege auch nach dieser Seite hin zu fördern" Rechnung trug.
Für das Jahr 1931 zog die Verwaltung eine positive Bilanz: Das erste Jahr nach der Eröffnung habe "alle
Erwartungen übertroffen [,] ein Zeichen dafür, dass gerade der Bau der Badeanstalt, dieses hervorragenden
Mittels für die Erhaltung der Volksgesundheit, des gesunden Sports und der bedeutenden Werbung für die Stadt
eine zwingende Notwendigkeit war." An 114 Badetagen kamen 41113 Besucher (36270 Einzelgäste und 4843
Schüler in 224 Klassen). Damit konnte ein Überschuss von 2300 RM erwirtschaftet werden, wovon 800 RM für
Neuanlagen zur Verfügung gestellt wurden. Die Wassertemperatur lag zwischen 15 und 23° C, am häufigsten
jedoch zwischen 16 und 19° C. Badezeiten waren im Mai und Juni zwischen 9 und 21 Uhr sowie im Juli und
August zwischen 6 und 21 Uhr.
1932 steigerte sich die Zahl der Besuchenden sogar noch auf rund 60.000. An einem Tag zählte man 2000
Badegäste. So wurde auch in diesem Jahr ein Überschuss erzielt. In Jahren mit schlechter Witterung war
die Anstalt allerdings auf Zuschüsse angewiesen.
Freibad Werreanger im Juli 1933
Insgesamt wurde das "Moderne" Freibad Werreanger sehr gut angenommen. Neben dem allgemeinen Familienbad
führten die Turngemeinde Lage und der Verein für Sport und Körperpflege regelmäßige Übungsabende durch
und zahlreiche Vereine veranstalteten hier ihre Schwimmfeste. Auch die Schulen konnten mit ihren Schülern
das Freibad für Unterrichtszwecke nutzen.
Ein Schwimmteich ist die Badeanstalt heute allerdings nicht mehr. Bereits 1936 wurde ein fester Beckenboden
eingebaut. Weitere größere Umbaumaßnahmen erfolgten in den 1950er und 1960er Jahren. Doch der Badespaß von
damals und heute unterscheidet sich wohl kaum.
Pohl, Christina: Badevergnügen in Lage. Vor 75 Jahren wurde das Freibad Werreanger eröffnet.
In: Heimatland Lippe 99 (5,6/2006), S. H 132´- H 134.
Fotos: Stadtarchiv Lage
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