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Zeitzeugenberichte - Wilhelm Oberkrome

Wilhelm Oberkrome

hat lange Jahre gemeinsam mit seiner Ehefrau Elisabeth eine Bäckerei an der Marktstraße in Heiden geführt, er wurde 1935 geboren, war also beim Bau der Badeanstalt 13 Jahre alt.

Am 9. Januar 2008 sprach Manfred Hempelmann mit Wilhelm Oberkrome über dessen Erinnerungen im Zusammenhang mit dem Freibad Heiden.

 Aus seinem Fundus holte er während des Gespräches das nachfolgende Bild aus den ersten Jahren des Bades,

 

 konnte sich aber nicht mehr erinnern, wann und zu welchem Anlass das Foto entstanden ist.

Als Gesprächsgrundlage dienten Auszüge aus Ratsprotokollen der Gemeinde Heiden. Altersbedingt kann Wilhelm Oberkrome zu den Protokollauszügen von vor dem Krieg nichts sagen.

Ihm war auch nicht bekannt, dass das Grundstück zur Errichtung der „Badeanstalt“ nach dem Kriege der Frl. Berkenkamp aus Detmold von der Gemeinde Heiden enteignet wurde. Auch war die Eigentümerin ihm nicht bekannt. Ebenso waren ihm die rechtlichen Möglichkeiten unklar, seine Erinnerungen setzen ein bei dem zügigen Bau des Schwimmbeckens, trotz der nachkriegsbedingt äußerst schwierigen Baumaterialsituation:

Alle haben mit zugegriffen, das ganze Dorf hat voll hinter der Sache gestanden, es wurde mit der Hand ausgeschachtet und es musste „kompensiert“ werden. Da hatten wir im Dorfe einen, der konnte das gut und das war Herr Dietz, der Vater des jetzigen Fuhrunternehmers Gerhard Dietz in Lage. Der wohnte seinerzeit in der Scheune auf Büngeners Hof (heute: Alter Krug), wo jetzt das Friseurgeschäft ist, das hatte der sich damals umgebaut. Der hatte Beziehungen und, so wie ich das weiß, die Materialien damals irgendwie besorgt.

Frage: Ich höre immer, da ist mit Kartoffeln und Speck getauscht worden.

Ja, wir sind ja auch nach Essen gefahren, haben da Kartoffeln hingebracht und kamen mit Kohlen wieder zurück. Das war eben so und ich weiß auch jemanden, der damals auch mal ein Schwein besorgen konnte „mit schwarzen Füßen“ und für das Schwein gab es ein Paar Schuhe und für die Schuhe konnte man wieder eine Lizenz erwerben für irgendwelche Dinge. Ich weiß jedenfalls, dass der Dietz da damals maßgeblich dran beteiligt war, Zement, Beton und solche Sachen zu besorgen.

Frage: Wissen Sie aus welcher Kiesgrube damals der Kies geholt worden ist? In späterer Zeit wurde der als maßgeblich für die Undichtigkeit des Beckens erkannt.

Nein, das ist mir nicht bekannt. Das ist ja alles in Eigenleistung gemacht worden, und wenn der Kies nicht in Ordnung war, wem wollte man denn da einen Vorwurf machen? 

Wir hatten ja einen jungen Tischlergesellen aus Detmold, wie hieß der denn noch mal, der hat ja später die Alwine Wieneke geheiratet, das war ein großes Ass im Turmspringen. Der machte damals schon einen Auerbachsalto hier in der Badeanstalt vom 3m Sprungbrett, das war natürlich was. Wenn natürlich so einer da ist, fördert der das Ganze natürlich auch, wenn man Leute hat, wo man zu aufguckt.

Schwimmen haben wir ja gelernt im „Süllerkoiken“, da oben bei Sültemeier in den alten Teichen, wo die Kühe auch mal ab und zu unser Hemd aufgefressen haben oder so was oder die Pferde haben mal eins kaputt gerissen, weil es im Stacheldraht hängen geblieben war. Das ist alles passiert. Und dann hier eben bei Otten hinterm Hause haben wir schwimmen gelernt, da war sogar ein kleines Sprungbrett. Ab und zu mussten wir dann mal ein totes Ferkel da vom Wasser räumen, das konnte mal passieren. Ich meine, das machte aber nichts.

Von unseren Müttern wurden aus Nesselstoff, das war so wie Bettlaken, Kissen genäht, nass gemacht, aufgepustet, ein Band darunter hergezogen und so haben wir schwimmen gelernt.  Unterhalb von Niewald, da wo jetzt der Rechtsanwalt Mausbach wohnt, da war der Oetternbach so vielleicht 1,30 m tief, da gingen früher auch viele hin zum schwimmen. Ob das Wasser da sauberer war, will ich nicht unbedingt sagen, sicher war es aber kälter. Mitunter musste da auch mal eine tote Ziege herausgezogen werden. Das haben wir da alles erlebt.

Na ja und da waren so einige: Willi Sander, Christian Sawitzky und ich, wir haben nachher das DLRG gemacht in der Badeanstalt Fischerteich. Meinen Ausweis habe ich noch, da war ich 14 Jahre alt. Wir lagen damals immer in der Badeanstalt.

Wegen des ersten Bademeisters meint Oberkrome sich - allerdings unsicher - an den Namen Obermann (der ältere Bruder von Walter Obermann aus der Heide) zu erinnern. In den Protokollen steht allerdings der Name: Oevermann, an eine Person dieses Namens kann er sich aber nicht entsinnen. Ein Mann dieses Namens muss dann von außerhalb gekommen sein.

An den ab 1949 tätigen Bademeister Otto Baier kann er sich umso besser erinnern.

Auch Eugen Wehner kannte er, der seit 1949 in der Badeanstalt und auf den Straßen  Heidens Eis verkauft hat. Es handelte sich um einen alten Gastwirt und Bäckermeister, der im jetzigen Berkenkamphaus eine Bäckerei und Gastwirtschaft  betrieben hat. Die Familie unterhält noch heute in Bad Salzuflen ein Restaurant.

Schwimmmeister Baier hatte nach der Saison eine Tätigkeit bei der Mühle Steinhage angenommen, Oberkrome wies darauf hin, das diese Mühle beim Hof Akemeier am Oetternbach lag. Es handelte sich bei dem Müller um den Vater des Herrn Steinhage, der später in Lage einen Landhandel betrieb. Neben der Beckermühle, deren Gebäude heute noch stehen, gab es in Heiden also noch bis in die Jahre nach dem Kriege eine weitere Mühle.

Im Zusammenhang mit der Planung eines Sammelteiches für die Badeanstalt wies Herr Oberkrome darauf hin, dass das Wasser im Freibad zu der Zeit nicht etwa aus einem Brunnen, sondern aus dem Fliessgewässer entnommen wurde, was auch heute noch in einem Rohr durch das Freibadgelände fließt. Damals war das der Überlauf des Feuerteiches. Er nimmt an, dass ein Sammelbecken geschaffen werden sollte, damit ein stärkerer Wasserzulauf und somit saubereres Wasser sichergestellt werden konnte. Die Protokollnotiz aus 1955 über die Entwässerung des Baugebietes Wiesenbrede  und die Unschädlichmachung der Abwässer durch den Bau einer Abwasserleitung  war für ihn richtig und wichtig, um die Einbringung von Jauche in das Badewasser zu vermeiden.         

An die Umkleidekabinen im Freibad und die Pläne zur Errichtung neuer Kabinen durch den Architekten Rethmeier in 1956 kann sich Oberkrome nicht erinnern. Er war auch einige Jahre zur Ausbildung in Horn, in dieser Zeit konnte er nicht Alles mitkriegen, was in Heiden so lief. Er stellte aber fest, dass Herr Rethmeier zu der Zeit ein bekannter Architekt war.

Auch an den in 1957 als Nachfolger des Herrn Baier angestellten Badewärter Liebelt kann er sich gut erinnern, auch daran, dass dieser Kaninchen gezüchtet hat. Dessen Sohn wohnt heute noch in Heiden und ist bei der Gemeinde Augustdorf tätig. Er ist sich nicht ganz sicher, ob Heinz Tölle bereits Nachfolger von Liebelt war, oder ob es dazwischen noch einen weiteren Schwimmmeister gab.

In guter Erinnerung Oberkromes ist der stets bombige Besuch des Freibades.  Das lag nach seiner Aussage  auch daran, das Lemgo kein Schwimmbad hatte, die Lemgoer konnten nur in der Bega baden. Die ganzen jungen Leute aus Lemgo kamen zum schwimmen nach Heiden. Das hat zu Freundschaften geführt, mit denen ich heute noch Radtouren mache. Auch aus Hörstmar, Lieme und ringsherum kamen die Jugendlichen im Sommer nach Heiden.

In Lage gab es damals zwar ein Schwimmbad, aber seiner Meinung nach war es eine eigenartige Badeanstalt, es lief auch die Werre da durch. Nach Lage hat es ihn jedenfalls nicht hingezogen, Detmold hatte zu dieser Zeit allerdings auch bereits ein großes Freibad mit 10m Sprungturm und da er in Detmold zur Schule ging, nutzte er auch dieses Bad.

In Heiden war aber auch immer was los, es wurden immer Dorfmeisterschaften im Schwimmen ausgetragen, auch Wetttauchen gab es.

 

Danke für das interessante Gespräch an Wilhelm Oberkrome.