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Nachdem die Badeanstalt fertig gestellt war, konnten die Jugendlichen der Jahrgänge um 1930 schwimmen und sich auf den Liegewiesen bräunen lassen.

v.l.: Irmgard Scholtyssek, Marianne Fricke, Günter Wessel, Elisabeth und Helmut Scholtyssek (später Bademeister), Gisela und Helmut Stukenbrok

 

Am 7. Februar 2008 sprach Manfred Hempelmann mit einem Mitbürger des Jahrganges 1929. Da nach seiner Aussage alle jungen Männer der Jahrgänge um 1930 beim Bau der Badeanstalt kräftig mitgeholfen haben, will er für diese Gruppe sprechen und persönlich nicht genannt werden.  Hier die Zusammenfassung des Gespräches:

„Das Land der Badeanstalt hat vor dem Bau Gustav Sentker als Wiese genutzt. In dieser Ecke habe ich, wie auch andere Jungens öfters die Kühe gehütet, in den Kriegsjahren. Ich selber bin kein Soldat mehr gewesen.“

Er bestätigt, dass Walter Strüßmann und Wieneken Fritz (Bollo) die technischen Leiter der Bauarbeiten waren. Wer die Lore organisiert hat, weiß er nicht. Jedenfalls hatte man eine, wahrscheinlich von der alten Ziegelei in Lage, ausgeliehen und man musste ja auch ein paar Schienen dazuhaben.

„Alles, was noch laufen konnte hat jedenfalls damals mit angefasst. Das war eben so üblich. Von den Pimpfen an waren wir so erzogen, über die Schule und wenn während des Krieges ein Bauer kam, dann mussten wir aufs Feld. Damals kriegten wir dafür so 1 Mark pro Nachmittag oder Morgen. Da waren natürlich auch Bauern dabei, die dann so in der Halbzeit anfingen zu meckern: >Du hast hier alles herausgezogen und ich muss wieder Neues anpflanzen<, nur damit er abends sagen konnte: >Nee, nee, du kriegst keine Mark, du kriegst nur 50 Pfennig<. So ist es gewesen.

Und da in der Badeanstalt hatte man die Lore organisiert und ein paar Schienen, die wurden verlegt und dann sind wir angefangen zu schachten. Das Gelände war abgesteckt, das Schachten wurde nur schichtweise gemacht, so ungefähr 2 Schüppen Tiefe, die einen mit dem Spaten, die anderen mit der Plattschüppe. Das lose Erdreich gleich in die Lore, damit das weg kam. Danach wurde es auf dem Gelände verteilt, das Gelände wurde an einer Seite angeschüttet.

Wenn der Streifen von ungefähr 3 Meter Breite herausgenommen war, dann wurden die Schienen wieder nach der Seite versetzt. Dann brauchten wir nicht so sehr aus dem Loch heraus, das war ja das schwierige. Die Loren mussten dann ja hochgezogen werden. Einige zogen vorne mit einem Strick und andere schoben hinten. Neben her ging ein weiterer Helfer und sicherte die Lore mit einem Balken ab. Wenn diese zurückzurollen drohte, wurde der Balken zwischen die Räder gesteckt. Malocht wurde nach Feierabend und jeden Samstag.

An der Seite nach Altroggen hin wurde kräftig angefüllt und auch zu der Seite des heutigen Freibadgebäudes. Da stand erstmal eine Umkleidebaracke. Der Eintritt war immer von der Seite, wie er heute noch ist.

Es brauchte damals keiner Aufforderungen machen an die Jungens, die kamen und halfen. Jeder hatte seine Arbeitsstelle und jeder hatte ein Stück Land, was so nebenbei bestellt werden musste. Danach war noch Zeit für die Badeanstalt.

Mit  dem Baumaterial für der Badeanstalt war es so: Da ist damals der Dietz gewesen und Reberts Hermann, die haben einen Diesel gehabt, einen LKW und die sind dann losgefahren und haben die Sachen herangeholt. Da war denn immer einer mit, der das vorher organisiert und kompensiert hatte. Der musste ja dementsprechend was abgeben, sonst hätte er ja keine Zementsäcke gekriegt. Kartoffeln oder Korn wurden von den Bauern hauptsächlich gespendet. Beckmann, das war damals unser Gemeindedirektor, vor Müßmann. Die wohnten in dem Haus, was nachher der Zahnarzt Förster gekauft hat. Der hat viel getan für die Gemeinde, der hat mit seinem Motorrad viel organisiert.

Der Dietz hatte damals die Scheune gemietet von Wilhelm Büngener, da wo heute der Friseur drin ist. Schröder Friedel hat das später gekauft und zu dem jetzigen Gebäude umgebaut.

Die haben uns früher auch zum Fußball spielen gefahren. Da wurde das Auto ein bisschen sauber gemacht, ein paar Bänke darauf gesetzt, da war ja kein Gitter drum, der wurde ja so benutzt. So schnell waren die ja nicht. Das ging da oben bis Rahden, über Lübbecke hinauf. Wir hatten einen Techniker, Stecker, der wohnte hier und war auf dem Technikum in Lage, der interessiert sich auch für Fußball. Den wollten wir damals anheuern, der fuhr aber zum Wochenende nach Hause, >Da spiel ich da oben in Rahden<, der kam von da. Der hat uns denn mal dahin eingeladen zum Fußball spielen.“

An Pumpen im Zusammenhang mit dem Ausschachten der Badeanstalt kann sich mein Gesprächspartner nicht erinnern, obwohl der Boden fester Kitt war. Wasser aus dem Bach vom Rotenberg ist jedenfalls nicht in das spätere Becken herein geflossen.

„Aus dem Teich bei Altroggen an der Hauptstrasse in Richtung Marktplatz wurden Rohre gelegt, das war Trinkwasser. Wasseranschluss daran hatten damals noch die Gemeinde, sowie Habigsberg, Gawanda und Büker, die hatten auch da schon Wasseranschluss. Andere mussten damals ihr Wasser aus den Brunnen holen. Aus dem Teich kam das ganze Wasser für das Freibad. Der Teich ist heute noch da. Günter Meerkötter (“Pillendreher“), der hat doch da in die Wiese gebaut. Da haben wir damals schon immer gesagt, wie kannst Du da bloß hinbauen, das ist doch viel zu nass da unten. Da sind noch immer ein paar Quellen.

Da ist doch die kleine Twiete, der Teich, der ist das, hinter Fischers Garten, aus dem Teich haben die das Wasser bezogen, das ist Trinkwasser.

Da sind Quellen und von da aus haben die den Zulauf gemacht da unten in das Becken herein. Der Zulauf, der ist gewesen ungefähr von der oberen Kante so 10 m weg. Da ist das Rohr im oberen Bereich in das Becken herein gegangen.

Aus diesem heute noch vorhandenen Quellteich wurde das Freibad in frühen Jahren gefüllt.

 

Zum Mischen des Betons hatte man einen großen Mischer organisiert. Der wurde auch von Hand gefüttert. Da hatten die oben so ein Rott liegen und zwei Seile gingen an ein Blechteil, ähnlich wie eine Lore. In diesen Blechkasten wurde der Kies eingefüllt und wenn der Kasten voll war, drückte der Maschinist auf einen Knopf, dann ging dieser Kasten hoch und schüttete den Kies in die Trommel und genauso war das mit dem Zement. Ob das immer 100 %ige Mischungen waren, weiß man auch nicht.

Nach Eröffnung des Bades hatten die Helfer ein Jahr lang kostenlos Badeerlaubnis. 

Die Umkleidebaracken für Frauen und Männer waren bereits 1948 da, es haperte allerdings an Duschen.

Als Sprungturm gab es von vorneherein einen Holzturm. Außerdem gab es ein 1m Brett. In späteren Jahren wurde der Sprungturm in Kantholz von Fr. Neddermann neu gebaut mit einem Aufbau in Metall von Rehme.

In den ersten Jahren wurde aber auch innerhalb der Badesaison das Wasser vollständig erneuert. Das Wasser wurde komplett abgelassen, das Schwimmbecken gereinigt und wenn das Wasser wieder nachgelaufen war, ging der Schwimmbetrieb weiter.  

Das Wasser kam aus dem Quellteich bei Altrogge. Den Bachlauf, der heute noch durch die Badeanstalt läuft hätte man dazu nicht anzapfen können, dann wäre das Wasser ruck zuck versucht gewesen. Das war Schmutzwasser, da haben die Bauern ihre Jauche hereingeleitet. Wenn man früher nach Kaups hinkam, da geht der Bach ja unter der Straße durch, da stank das teilweise bestialisch.

Während des Krieges haben wir den Teich bei Otten zum schwimmen benutzt. Diesen Teich haben wir immer selbst ausgeschlammt und auch einen Sprungturm da dran gebaut.

Und früher bei Briss, heute Pehle, der hatte ja eine Plantage mit Sauerkirschen und wir mussten bei der Ernte helfen. Wenn es uns dann zu warm war, sind wir über das Feld gelaufen und haben erst eine Tour gebadet.

Das Bad war jedenfalls damals immer sehr gut besucht. Gäste kamen aus Lieme, Hörstmar, Nienhagen u.s.w.“

 

Herzlichen Dank an den ungenannt sein wollenden Erzähler.